NSA vs. EU: wenn Malmström „denkt“ dann droht uns was.

Angesichts des Streits um die Zugangswege der NSA zu den SWIFT-Informationen im europäischen Bankenverkehr zitiert der SPIEGEL die EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström:

Wenn es war sei, „dass sie die Informationen mit anderen Behörden teilen, für andere Zwecke als das Abkommen vorsieht … müssen wir darüber nachdenken, das Abkommen zu beenden“, droht die Schwedin. (SPIEGEL 38/2013)

Die Schwedin droht also damit, nachzudenken. Aha. Ist die Gedankenwelt von Malmström so wirr und gefährlich, dass man die Öffentlichkeit auf ihr Nachdenken als Drohung hinweisen muss? („müssen wir darüber nachdenken..,“ droht die Schwedin)

Das Gegenteil ist der Fall.

Malmström erhebt zuvor eine klare Forderung: Zeitlich und inhaltlich konkret, wenn sie fordert, man solle „uns sofort und präzise sagen, was passiert ist“. Inhaltlich stellt sich die Frage: Wenn derjenige, der einen Verstoß begangen hat, nun das Opfer aufklären soll, das selbst noch nicht genau weiß, welcher Schaden ihm entstanden ist – was ist dann wirklich, „sofort und präzise“ zu erwarten? Aber Thema dieses Blogs sind ja nicht die Fakten, sondern deren Wahrnehmung in der Öffentlichkeit

Kommen wir zu dem Zitat zurück und der Analyse: Sollte sich ein Verstoß ergeben, droht die EU-Innenkommissarin nicht mit der Beendigung des SWIFT-Abkommens. Nein. Sie droht damit, darüber nachzudenken. Es also theoretisch mal in Erwägung zu ziehen.

Aus PR-Sicht kann man sich da getrost zurücklehnen und einen guten Tropfen aufmachen. Malmström erweckt den Eindruck, eine harte Hündin (Gender-Adaption zum „harten Hund“) zu sein – geht aber weiter auf Kuschel- und Löffelchen-Kurs mit den Amerikanern. Kein Wunder, denn sie ist ja auf deren Mithilfe bei der Aufklärung angewiesen. Aber es funktioniert bis in den SPIEGEL hinein. Früher noch hätte der SPIEGEL geschrieben: „erweckt Malmström den Anschein einer Drohkulisse“. Heute schreibt er über Malmströms nachdenken knapp „…droht Malmström“.

Es zeigt sich – wieder einmal –, dass es im deutschen Journalismus immer mehr darauf ankommt, darüber zu berichten, wer was sagt. Und nicht, WARUM er etwas sagt. Das WARUM ist aus den deutschen journalistischen W-Fragen (Wer, Was, Wann, Wie, Warum?) längst amputiert. Es sei denn, die PR sorgt dafür, das WARUM zu besetzen.

Ein Erfolg für die politische Sprach-PR.

So gesehen: Gut gemacht, Cecilia Malmström.

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